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15.10.2011 FAZ - Geschrieben in nur einer Nacht

23.10.11

Das Scharoun Ensemble spielt Beethovens Septett

von Chrstiane Tewinkel

Abfällig äußert sich Ludwig van Beethoven über sein eigenes Septett op. 20 und auch zum Bläsersextett op. 71. Das Sextett, das er schon während der Bonner Zeit angefangen hatte, wechselte er in einem Tauschgeschäft mit seinem Verlag gegen einige Bände von Goethe und Schiller ein und warnte in einem Begleitbrief davor, dass es „von meinen frühen Sachen" sei und „noch dazu in einer Nacht geschrieben". Das Septett andererseits wurde vom Publikum so beliebt, dass es Beethoven auch wieder nicht recht war. Er könnte das Stück nicht leiden, schrieb sein Schüler Carl Czerny und erklärte Beethovens Reaktion so: Er habe sich über den „allgemeinen Beifall, das es erhielt", stets geärgert.
Insofern könnte sich Beethoven freuen, wenn er wüsste, was für eine schöne, behutsame und seziermessergenaue Aufnahme dieser beiden Stücke jetzt das Scharoun Ensemble Berlin vorgelegt hat, gemeinsam mit dem Klarinettisten Gaspare Vittorio Buonomano, der Hornistin Sarah Willis und dem Fagottisten Henning Trog. Elegant schwebt der erste Satz des Septetts ein, Adagio mit allegro con brio, das vor Aufregung fast zittern wird. Das Adagio cantabile an zweiter Stelle beginnt wie ein Miniatur-Klarinettenkonzert, in dem sich Alexander Bader von den Begleitstimmen gemächlich hinübertragen lässt zu Wolfram Brandl (Violine), der das Thema nun noch einmal aufnimmt, Variationen über eine eher bescheidene Melodie-Idee, die jedem Instrument seinen Auftritt gönnen. Für das Horn gibt es hier als Solo nur einen einfachen Quintsprung nach oben, mit trägem Zurücksinken über die Mollterz - doch adelt ein Musiker wie Stefan de Leval Jezierski sogar diese Passage.
Stark und dick wir eine Orgel tönen dagegen die Klarinetten-, Horn- und Fagott-Pärchen im ersten Satz des Sextetts op. 71. Das zierliche Trio im dritten Satz bietet darin eine fast wunderlich zu nennende Abwechslung.
Dass die zehn Mitwirkenden sämtlich Berliner Philharmoniker sind oder diesem Umfeld entstammen, entsprechend große Erfahren mit dem Ensemblespiel haben, glaubt man dieser Aufnahme immer wieder anzuhören, vor allem bei den vielen Tanzeinlagen, die stets duftig, nie trampelig geraten, von Klarinttenklang und Geigengesang oder in den famos glatt gespielten Parallelpassagen im Presto des Es-Dur-Septetts.